Strom-Communitys oder: der Stromzähler wird digital – Teil 2

ImageAm 30. Juni 2008 hatten wir hier bei valucon schon einmal einen Blogeintrag zu den digitalen Stromzählern (übrigens einer unser meistgelesenen Einträge). Jetzt gibt es konkrete Neuigkeiten. Wie die FAZ (1. Dez. 08, S. 13) berichtet, bietet der Stromanbieter Yello ab sofort jedem Hausbesitzer (egal ob Yello-Kunde oder nicht) einen digitalen Stromzähler an. Interessant ist, wie der Datenfluss funktioniert. Der neue Stromzähler erfasst den Verbrauch, schickt diese Informationen über das Stromnetz des Hauses zu einem Internetrouter, der wiederum die Daten in das Rechenzentrum von Yello überträgt. Der Hausbesitzer kann dann von seinem PC aus Informationen über seinen Stromverbrauch online abrufen. Das klingt zwar kompliziert – aber die Technik dafür ist ausgereift. Der Datentransport über das Stromnetz kann z. B. über die sog. Powerline-Technik abgewickelt werden. Und Internetverbindungen über DSL oder Kabel sind ebenfalls hinreichend zuverlässig. In ihrem Artikel illustriert die FAZ zudem getreu nach dem Motto: „Was man nicht messen kann, kann man nicht managen“ auch gleich ein paar mögliche Szenarien. So gibt man z. B. der Spülmaschine der Zukunft nur noch den Zeitpunkt an, bis wann sie fertig sein muss. Ein Stromdienstleister der Zukunft berechnet daraus den günstigsten Zeitpunkt für den Start der Maschine (wenn der Strom am billigsten ist). Das gleiche gilt für die Wärmepumpe oder das Elektroauto der Zukunft. Aber bis es soweit ist, werden noch viele Jahre vergehen. Viel konkreter und schneller lassen sich anderen Szenarien verwirklichen. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Stromkunden-Community? Dazu müsste jeder Hausbesitzer die Verbrauchsdaten um seine stromverbrauchsrelevante Wohnsituation über das Onlineportal ergänzen. Diese Daten könnten dann anonymisiert veröffentlich werden. Dann könnten Vergleiche angestellt werden: Welchen Verbrauch besitzen andere Haushalte mit ähnlichen Bedingungen? Warum verbrauche ich relativ so viel? Solche Fragen regen an. Klar ist, dass man die Höhe des eigenen Stromverbrauchs dadurch messen kann, indem man an jedes Gerät ein Strommessgerät anbringt. Aber wer macht das schon. Strom-Communitys bringen dagegen ein spielerisches Element in die ansonsten doch recht trockene Materie. Man trifft Gleichgesinnte, kann sich gegenseitig helfen und aufklären und – ganz wichtig – man kann sich mit anderen vergleichen. Das machte der Mensch schon immer gern. Und auch der Stromanbieter, der diese Community betreibt, könnte daraus vielleicht einen kleinen Nutzen ziehen wenn er so die Kundenbindung erhöhen könnte. Eines ist klar: die Entwicklungen werden spannend sein. 

 (Bildquelle: Yello-Pressedienst)

 

Vernetzte Kommunikation und Unterhaltung, nur was für Technikfreaks…

Schon im Jahr 2005 wurden in einer Studie über zukünftige Mediendienste, die auf der Verbindung von Transport- und Heimnetzen beruhen überdurchschnittliche Wachstumsraten prognostiziert. Die zentrale Vision, dass sämtliche Dienste, wie Telefonie, IT und  Home Entertainment, wie z.B. Video- oder Music- on demand-Dienste in einer vernetzen Welt problemlos vom Anbieter abgerufen, zentral abgespeichert und über unterschiedliche Endgeräte hinweg empfangen werden können, ist bis heute nur bedingt möglich und dann auch nur Personen mit einer gewissen Technologieaffinität vorbehalten.

Dies liegt meiner Meinung nach auch daran, dass bis heute für zwei zentrale Themen keine befriedigende Lösung gefunden wurde:

  • Kompatibilität der verschiedenen Dienste/Endgeräte zueinander
  • Benutzerfreundlichkeit. 

Jüngst hat dies auch Dr. Park Jongwoo, Chef der Samsungsparte Digital Media, erkannt, indem er bei der Eröffnung der diesjährigen IFA feststellte, dass die Verbraucher zwar über modernste Geräte verfügen, viele dieser Produkte aber untereinander nicht funktionieren und nicht miteinander vernetzt sind. In einem Atemzug brachte er dann die alte Forderung auf, es einfacher zu machen all die miteinander vernetzten Geräte mit den vielen kleinen Knöpfen zu bedienen. Soweit der Wunsch - eine Besserung diesbezüglich ist aber noch nicht in Sicht.

Verbesserungen wird es nur dann geben, wenn  die Hersteller derartiger Produkte branchenübergreifend bei der Entwicklung gemeinsamer Kommunikationsstandards, kooperieren. Mich wundert es sowieso, dass hier bis heute kein wirklicher Durchbruch geschafft ist, denn eigentlich können die Hersteller von gemeinsamen Standards nur profitieren. So kann ein Hersteller der einen offenen Standard unterstützt, sich problemlos in die Welt eines anderen Herstellers integrieren und damit neue Absatzpotentiale erschließen. Denn eines ist auch klar - Kunden fordern Offenheit und Flexibilität. Insofern liegen aus meiner Sicht die größten Produktinnovationspotentiale im Bereich der Kommunikation- und Mediendienste nicht in neuen Technologien, sondern es gilt den Kunden Produkte anzubieten, die sich erstens, einfach und ohne großes Literaturstudium bedienen, und zweitens leicht zusammen mit anderen Geräten nutzen und vernetzen lassen  - und dies, ohne das man zur Nutzung ein Technikfreak sein muss. Dr. Park hat dies erkannt, wir können also gespannt sein, was in der nächsten Zeit an Innovationen auf uns Kunden zukommen wird.

Lock-in in der Wolke

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Cloud-Computing ist seit einiger Zeit in aller Munde. Man bezeichnet damit die Tatsache, dass Daten nicht mehr lokal, sondern auf fremden Rechnern gespeichert und verarbeitet werden. Die Tatsache, dass Daten auf fremden Rechner gespeichert werden, ist ein alter Hut. .Jeder, der bei GMX oder Web.de oder bei einem anderen E-Mail-Anbieter ein Postfach besitzt, praktiziert bereits die nicht-lokale Speicherung seiner Daten. Aber die aktuellen „Cloud-Computing“-Konzepte gehen darüber hinaus. Es geht nicht nur um Speicherung, sondern auch um die Verarbeitung der Daten. Die betriebswirtschaftliche Logik dahinter ist schnell erzählt: IT-Systeme werden immer komplexer und deren Unterhalt damit immer teurer. Anstatt alles selber zu machen, mietet man sich nur die Funktionen, die man braucht Bezahlt wird nur das, was man benötigt und spart sich so den teuren Unterhalt eigener IT-Systeme. Mit Cloud Computing kann das Unternehmen also sparen.

Eine solche Argumentation ist durchaus gerechtfertigt. Die IT-Systeme werden tatsächlich immer komplexer und damit teurer. Ob aber Cloud-Computing auch über einen langen Zeitraum günstiger ist, ist alles andere als ausgemacht. Denn mit dem Cloud-Computing begeben sich Unternehmen in eine Abhängigkeit. Und Abhängigkeit macht erpressbar. Die Abhängigkeit entsteht dadurch, dass die nach außen verlagerten Daten in keinem standardisierten, offenen Format gespeichert werden. Auch lokal installierte, proprietäre (also nicht standardisierte und offene) Software macht abhängig. Aber hier hat das Unternehmen zumindest noch lokale Kontrolle über die Software und die Daten. In der Wolke wurde auch diese Kontrolle auf den Cloud-Anbieter verlagert. Die Folge ist, dass man als Kunde nicht mehr schnell und kostengünstig zu einem billigeren Cloud-Anbieter wechseln kann. Man steckt fest und muss überhöhte Preise akzeptieren. Die Wolke kann also ganz schön ungemütlich werden.

(Bildquelle: Creative Commons)

 

E-Books: Mit oder ohne Kopierschutz? Oder: der Ehrliche ist der Dumme

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Ich liebe Bücher, und ich pflege nicht nur des Berufs wegen eine besondere Hingabe zur „Digitalisierung“. Deswegen war die vor einigen Tagen zu Ende gegangene Frankfurter Buchmesse auch so interessant. Das „E-Book“ war in aller Munde und groß war auch die Spannbreite der Meinungen, ob das E-Book das Papierbuch ersetzen wird. Es ist viel zu früh, diese Frage zu beantworten. Interessanter sind da schon die Entscheidungen, die die Buchverlage heute treffen müssen. Mit Libreka haben die etablierten Verlagsgesellschaften eine eigene E-Book-Plattform parat. Die nächste Entscheidung, die ansteht, ist die nach dem Kopierschutz, mit dem die Verlage ihre E-Books verkaufen wollen. Dem Vernehmen nach wird wohl kein Kopierschutz, sondern ein Wasserzeichen zum Einsatz kommen.

Ein E-Book mit Wasserzeichen kann beliebig kopiert und verarbeitet werden. Es ist aber über das Wasserzeichen feststellbar, wem das elektronische Buch gehört. Besitzt eine andere Person dieses Buch ebenfalls ist klar, dass es vom ursprünglichen Käufer unrechtmäßig weitergegeben wurde. Dies soll verhindern, dass E-Books auf anonymen Downloadplattformen angeboten und so massenhaft raubkopiert werden. Die „Weitergabe“ an Freunde und Bekannte kann so nicht unterbunden werden – aber dies werden die Verlage tolerieren.

Sollte die Buchbranche dieses Verfahren tatsächlich wählen, dann herzlichen Glückwunsch! Sie hat damit die Variante gewählt, die die wenigsten Schmerzen verursachen wird. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass es aus Sicht der etablierten Verlage schmerzhaft wird.

Mit der stärkeren Verbreitung von E-Books werden nämlich weniger Bücher pro Titel verkauft als heute. Zwei Gründe sprechen dafür: Zum Einen wird die Weitergabe von Buchtiteln im Freundeskreis zunehmen. Und zum Anderen können auch Wasserzeichen überwunden werden mit der Folge, dass Raubkopien Teil der Buchindustrie werden. Da der Buchpreis nicht erhöht werden kann – weil sonst der Anreiz zum Weitergeben und "Hacken" des Wasserzeichens noch größer wird – wird der Umsatz sinken.

Und dennoch ist es richtig, keinen strengen Kopierschutz einzusetzen, denn: Jeder Kopierschutz wird "gehackt".

Damit entsteht für den Käufer, der für ein kopiergeschütztes Buch zahlt, eine bizarre Situation: er bekommt dafür ein minderwertigeres Produkt. Er kann das E-Buch nicht verleihen und er ist immer auf einen E-Reader angewiesen, der den Kopierschutz seines Buches lesen kann, was ihn in der Wahl seines bevorzugten Lesegeräts beeinträchtigt.

Das wird ihn stören und er wird daher entweder kein E-Book kaufen oder sich ein raubkopiertes Buch besorgen.

Die E-Book-Umsätze mit kopiergeschützten Büchern werden daher deutlich geringer ausfallen als die Umsätze, die mit wasserzeichengeschützten Werken zu erzielen wären.

Eines ist klar: die Buchbranche geht interessanten Zeiten entgegen. Und nicht nur sie. Auch die Zeitungsbranche ist vor den E-Books nicht sicher. Aber das ist eine andere Geschichte…

(Bildquelle: Creative Commons)

Schwere Intranets, leichte Wikis

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Letzte Woche war die BITKOM-Konferenz. Ein besonders interessanter Punkt waren dabei Unternehmenswikis. Bemerkenswert war das große Interesse von Vertretern mittelständischer Unternehmen. Das überrascht aber eigentlich nicht. Denn Wikis bieten im Gegensatz zu Intranets zwei wesentliche Vorteile: geringere Kosten und höhere Flexibilität – die Sprache des Mittelstands. Das soll nicht heißen, dass ein Intranet schlecht wäre – es ist aber anders. In den einzelnen Vorträgen wurden die verschiedenen Verwendungszwecke von Wikis deutlich:

  • als Austauschplattform für Abteilungen und Projektgruppen
  • für das Projektmanagement
  • für Dokumentationen (Spezifikationen, Prozessdefinitionen, Beschreibungen)
  • für die Vorbereitung und Protokollierung von Besprechungen
  • als Wissensspeicher
  • als Support-Plattform für Kunden, Lieferanten, Software-Entwickler
  • als Lernplattform
  • zur Erstellung und Ablage komplexer Handbücher
  • als „dynamisches Inhaltsverzeichnis“ zur Verbesserung der Suche im Intranet

Insbesondere der letzte Punkt ist interessant. Ein Vortragender meinte, dass seit Einführung eines Unternehmenswikis viele Mitarbeiter über das Wiki auf Informationen und Dokumente im Intranet und Dokumentenverwaltungssystem zugriffen. Als Hauptgründe für dieses interessante Verhalten wurden die im Vergleich zum Intranet verbesserte Suchfunktion und das von den Mitarbeitern selbst entwickelte Inhaltsverzeichnis genannt.
Das Beispiel zeigt, dass Wikis nicht nur direkt sondern auch indirekt zu einer effizienteren und effektivern Wissensvernetzung in Unternehmen beitragen können. Voraussetzung dafür ist, dass Wikis richtig konzipiert, entwickelt und in bestehende IT-Landschaften integriert werden. (vgl. zum Thema auch unser Wikiblogeintrag im Juli)

 (Bildquelle: Creative Commons)

Mehr Datenskandale für den Datenschutz

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Die Telekom hat heute damit begonnen den Datenschutz ernst zu nehmen, in dem sie ein ganzes Maßnahmenbündel bekannt gegeben hat: Einrichtung eines Vorstandsressorts für Datenschutzangelegenheit (das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen), Zertifizierung durch den TÜV, Einrichtung eines externen Datenschutzrates, Erstellung eines (genaueren) Rollen- und Rechtekonzeptes, das regelt, wer was darf und systematische Protokollierung von Datentransaktionen. Bis vor wenigen Wochen war Datenschutz aus Firmensicht nur lästig: er kostete Geld und brachte keinen Nutzen. Im Falle der Telekom hat sich das geändert: Datenschutz kostet Geld und bietet Nutzen. Wie schnell und wie weit reichend andere Firmen diese Rechnung anstellen, hängt - so sarkastisch das auch klingen mag - von weiteren Datenschutzskandalen ab. Denn neue Skandale würden in zweifacher Hinsicht wirken:

(1)   Datenschutzskandale führen (potentiellen) Kunden von Unternehmen vor Augen, wie schädlich mangelnder Datenschutz sein kann. In Folge dessen interpretieren sie Datenschutz als eine relevante Eigenschaft. Wenn das geschieht, besitzen Investitionen in den Datenschutz für Unternehmen plötzlich einen Wert. Genau dies ist bei der Telekom passiert. Die jüngsten Skandale haben das Vertrauen (potentieller) Kunden gestört. Die möglichen Folgen wären weniger Neukunden oder das Abspringen bestehender Kunden. Um das Vertrauen wieder herzustellen werden diese Datenschutzinvestitionen getätigt. Das ist gut angelegtes Geld. Noch schneller setzt sich der Datenschutz durch, wenn sich die Firmen in einen Signalisierungswettlauf begeben - wenn sie den Datenschutz also als Werbeinstrument verwenden. Man könnte sich vorstellen, dass die Telekom demnächst damit wirbt, sie würde den Datenschutz viel genauer nehmen als ihre Konkurrenz. Wenn die Konkurrenz dann kontert und ebenfalls ihre Datenschutzinvestitionen erhöht, kann dieser „Wettlauf“ in Gang kommen.

(2)   Die zweite Möglichkeit zielt auf den Staat: ebenfalls aufgeschreckt durch die Datenskandale verabschiedet der Gesetzgeber zum Schutze seiner Bürger verschiedene Gesetze. In Folge sehen sich die Unternehmen gezwungen, diese gesetzlichen Auflagen zu erfüllen und investieren so in den Datenschutz.

Für viele Firmen gilt noch immer die alte Rechnung: Investitionen in den Datenschutz lohnen sich nicht. Das ließe sich prinzipiell auch ohne neue Datenskandale und ohne den Staat ändern: dazu müssten Kunden aber den Datenschutz als kaufrelevantes Kriterium ansehen.

Kaufen Sie Ihren Mitarbeitern jetzt iPhones!

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Wenn ich abends daheim auf dem Sofa noch schnell die neuesten Neuigkeiten abrufen will, fahre ich meinen Laptop nur noch selten hoch. Stattdessen nehme ich mein Mobiltelefon: das geht viel schneller weil kein Bootvorgang notwendig ist. Ich lese auf dem Telefon nur Webseiten, die für mobile Geräte optimiert sind und sog. RSS-Feeds (die auch sehr „schlank“ sind). Dieses Verhalten ist heute noch vergleichsweise selten, denn dazu benötigt das Handy WLAN, ein größeres Display und einen ordentlichen Webbrowser bzw. RSS-Reader. Unterwegs verwende ich den Browser meines Telefons ebenfalls um die eine oder andere Information abzurufen. Diese Woche hat nun Google mit Partnern das erste Mobiltelefon mit dem neuen Android-Betriebssystem vorgestellt. Dieser Schritt ist bedeutend weil damit der Zug in Richtung mobilem Web mächtig an Fahrt gewinnen wird. Das mobile Web bedeutet nicht nur das Anzeigen von bestehenden Inhalten auf kleineren Displays. Das mobile Web ist ein neuer Markt und zum Teil neue Spielregeln sind zu erwarten. Wie die aussehen werden, ist heute noch weitgehend unklar. Aber die Spielregeln werden schon geschrieben. Für substantielle Betriebsamkeit ist es noch zu früh, aber ich würde jedem Geschäftsführer raten, sein Unternehmen mit iPhones auszustatten und einen Entdeckungsprozess anzustoßen und zu steuern. Es ist schon klar, dass es deutlich billigere Alternativen gibt um seine Mitarbeiter mit Kalender und E-Mail auszustatten. Aber um das geht es nicht: der Kauf von iPhones ist als Investition zu interpretieren. Es sollen Ideen entwickelt werden, welche Chancen mit dem entstehenden neuen Markt verbunden sein könnten. Es geht um Entdeckung und um einen Zeitvorsprung vor der Konkurrenz. Denn eines steht schon fest: das iPhone ist für die absehbare Zukunft das Referenzsystem (das sog. „überlegene Design“) für den Zugang zum mobilen Web. Das können Sie heute schon kaufen. Bis Microsoft, Research In Motion (der Hersteller des Blackberry), Nokia und Google hierzulande ihre iPhone-Adaptionen in nennenswerten Stückzahlen vermarkten, dauert es noch mindestens ein halbes Jahr – ein Zeitraum, den Sie nutzen können.

 (Bildquelle: Creative Commons)

Experiment

ImageGoogle hat einen, Hewlett-Packard und Yahoo auch. Und viele andere Firmen haben zwar keinen eigenen, mieten sich aber fallweise einen, wie z. B. Ebay. Von wem die Rede ist? Von einem Ökonomen, der mit Hilfe von Experimenten versucht herauszufinden, wie die Geschäftsmodelle dieser Firmen verbessert werden können. Das neue, von Ebay vor kurzem auch in Deutschland eingeführte Bewertungssystem für Verkäufer ist z. B. das Ergebnis der Arbeit dieser Ökonomen. Die daran beteiligten Forscher behaupten, dass dadurch der Wert der verkauften Produkte um 25% gestiegen sei. Bei Google arbeitet der wohl bekannteste Firmen-Ökonom: Hal Varian. Varian hat zusammen mit Carl Shapiro eines der einflussreichsten Bücher über die Digitalisierung der Wirtschaft geschrieben*. Bei Google kümmert sich Varian u. a. um die Optimierung der Keyword-Auktionen und damit um das Herzstück von Google.

Diese Entwicklung hin zu Experimenten ist interessant weil es das bisherige Marktforschungsintrumentarium erweitern kann. Bisher griffen Unternehmen vor allem auf klassische Kundenbefragungen zurück wenn Sie neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln wollten. In manchen Situationen könnten Experimente dabei die bessere Methode sein. Wer bei Amazon einkauft ist vielleicht schon einmal (unwissentlich) Proband eines Experiments geworden. Amazon variiert systematisch seine Seiten und prüft, ob Änderungen (z. B. Farben, Anordnung von Seitenelementen, etc.) zu höheren Verkäufen führen. Und auch wer von uns Werbeschreiben erhält, ist Proband. Wir variieren verschiedene Elemente und prüfen, welche Kombination am besten bei den Empfängern ankommt.

 

*Shapiro C., Varian, H. (1999): Information Rules. Mcgraw-Hill Professional.

“Wer Alkohol trinkt, verdient mehr Geld” - so ein Quatsch

ImageIch bin ein großer Fan der Kolumne "Der Sonntagsökonom", die jede Woche in der Frankfurter Sonntagszeitung erscheint. Die Kolumne bereitet Veröffentlichungen der ökonomischen Fachliteratur, die in der Regel sehr statistiklastig sind, lesefreundlich auf. Vor einigen Wochen (FAS Nr. 32, Seite 34) behauptete die Kolumne in ihrer Überschrift, dass diejenigen, die Alkohol trinken würden, mehr Geld verdienen würden. Das überrascht - und so ist es natürlich auch gedacht. Und selbstverständlich ist diese Aussage Quatsch. Die Kolumne zitiert zwei Forscher, die herausgefunden haben wollen, dass Personen, die regelmäßig Alkohol konsumieren im Durchschnitt zehn Prozent mehr pro Stunde verdienen als Abstinenzler. Dabei gilt, dass der Städter vor allem Cocktails trinken sollte - das führe zu einem Gehaltsplus von 20%. Bier würde dagegen keinen Einkommenseffekt erzielen. Anders auf dem Land: Dort führt Bierkonsum zu einem höheren Gehalt, Cocktails dagegen nicht. Die ganze Diskussion verleitet dazu anzunehmen, man müsse nur eine Flasche Alkohol zu sich nehmen, etwas warten und schon würde das Einkommen magisch steigen. Die Kolumne nimmt zwar selbst von dieser Aussage Abstand. Aber dazu muss man sie ganz gelesen haben. Und auch dann noch fragt man sich, was das Ganze soll. Es handelt sich dabei um theorielose Statistik - was nahezu wertlos ist. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Höhe und der Art des Alkoholkonsums und des Einkommens. Wenn die Forscher Personen nach ihrem Alkoholkonsum befragen, messen sie indirekt das Sozialverhalten. Personen, die sich viel mit anderen Menschen im Rahmen von z. B. Geschäftsessen oder After-Work-Partys treffen, trinken dort auch oft Alkohol. Der Alkoholkonsum ist also höher als bei Personen, die weniger "socializen". Es ist also nicht der Alkohol, der zu einem höheren Gehalt führt, sondern es sind die sozialen Kontakte von Menschen. Wer mehr soziale Kontakte pflegt, kommt an interessantere Jobs und verdient daher mehr Geld. Das ist eine Begründung, die doch wesentlich plausibler klingt, oder?

(Bildquelle: Creative Commons)

 

 

Buchstabenrätsel mit Wohlfahrtscharakter zur SPAM-Bekämpfung?

ImageDie kleinen verzerrten Bildchen mit den als Graphik dargestellten Buchstaben-/Zahlenrätseln, den sog. CAPTCHAs (Completely Automated Public Turing-Test to Tell Computers and Humans Apart) erfreuen sich bei der Validierung von Formulareingaben bei Webseitenbetreibern großer Beliebtheit - siehe auch unser Kontaktformular. Die Schutzfunktion basiert auf der Annahme, dass die dargestellten Bildmuster im Gegensatz zu Computern für Menschen recht einfach in Text umzusetzen sind, und führen dazu, dass  automatisierte Verfahren zur Eingabe von Formulardaten erschwert werden. Der Grundgedanke von reCAPTCHAS ist der gleiche, nur mit dem Unterschied, dass die Zeit (aktuell ca. 150.000 h), die Internetnutzer weltweit pro Tag damit verbringen CAPTCHAs zu lösen, sinnvoll genutzt wird. Auch ist sicherlich damit die Idee verbunden, die Nutzerakzeptanz von CAPTCHAs allgemein zu verbessern. reCAPTCHAs fragen dabei die bei der Digitalisierung von Büchern für das gemeinnützige Archiv (Archive.org) von einer Texterkennungssoftware nicht erkannten Wörter ab, der Internetnutzer löst sie und sendet diese an den Webdienst zurück. Auf diese Weise konnten bereits ca. 17.000 Bücher übersetzt werden.

Aus IT-Sicherheitsperspektive stellt sich die Frage, ob der Einsatz von (re)CAPTCHAs tatsächlich lohnenswert erscheint, oder ob der Einsatz dieses Verfahrens nicht sogar negative Auswirkungen mit sich bringt. Generell reduzieren sicherlich (re)CAPTCHAs das Formular-SPAM-Problem deutlich. Bei reCAPTCHA gilt es zu berücksichtigen, dass die CAPTCHAs von einem externen Webdienst abgerufen und auch wieder zurück gesendet werden. Insofern sind hier Maßnahmen für den Fall zu ergreifen, dass der Webdienst nicht verfügbar ist. Ansonsten resultiert daraus eine Einschränkung der Verfügbarkeit (Schutzziel der IT-Sicherheit) der Formulareingaben für den Webseitenbetreiber. Das größte Problem mit allen CAPTCHA-Varianten ist aus meiner Sicht jedoch das „Abbrecherproblem“. Wie bei vielen anderen Sicherheitsvorkehrungen wird auch hier das Spannungsfeld zwischen „Usability“ und „Security“ deutlich. CAPTCHAs stellen grundsätzlich eine psychologische Eingabebarriere dar, die insbesondere bei der erstmaligen Fehleingabe des (re)CAPTCHAs nicht selten zum Eingabeabbruch führt – was sich insbesondere beim Versuch der Kontaktaufnahme von Interessenten über das Kontaktformular der firmeneigenen Webseite negativ auswirken kann. Wir von valucon setzen zwar ebenfalls CAPTCHAs auf unserem Kontaktformular ein, versuchen aber um dem Abbrecherproblem ein wenig zu entgegnen, diese möglichst einfach zu halten. Auch im Hinblick auf die vorhanden SPAM-Filtertechnologien muss man sich schon ersnthaft die Frage stellen, ob es zukünftig noch sinnvoll und notwendig ist überhaupt (re)CAPTCHAs einzusetzen.